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Reisen

#121 Als Reiseliebhaber unter Reisemuffeln

„Und als ich dann auf Koh Phangan… !“ Ein genervtes Raunen ertönt links neben mir. Ich schaue auf. Konsterniert frage ich nach, was denn bitte los sei! Ja, Thailand ist schön, Reisen ist super und in der Welt gibt es so viel zu entdecken, blah, blah, blah! Das und noch viel mehr wird mir tiradenmäßig gegen den Kopf geschleudert. Seit ich meine Liebe zum Reisen entdeckt haben, bin ich scheinbar langweilig geworden und habe nur noch dieses eine Thema im Kopf! Dabei gibt es doch so viele wichtigere Dinge, über die man quatschen muss. Zum Beispiel das Wetter, die schlecht nachgemachte Handtasche der Nachbarin oder die ach so anstrengenden Prüfungen in der Uni.

Okay, zugegeben. Dieses Beispiel grenzt eher an eine klischeehafte Übertreibung. So wurde ich bisher noch von keinem meiner Freunde behandelt. Trotzdem ist eins ganz klar: Reisen ist kein Thema, über das du dich gut mit Amateuren unterhalten kannst. Erstens, weil sie wenig Lust darauf haben und zweitens weil sie einfach niemals so richtig nachvollziehen können, wovon du da eigentlich genau faselst. Es ist das eine in einem kleinen Bungalow direkt am Strand zu hausen, abends gemütlich in das nahe gelegene Dorf zu schlendern und dort ein unbekanntes Gericht der Einheimischen zu probieren, um dann festzustellen, dass genau an diesem Abend ein kleines Fest im Tempel gegenüber stattfindet. Das zu erleben ist großartig, ein Abenteuer ohne gleichen und die Erinnerungen daran werden noch lange in deinem Herzen verweilen.

Doch etwas anderes ist es, darüber zu berichten. Denn dann hast du nur zwei Möglichkeiten: Entweder fasst du deine Geschichte knapp zusammen, wodurch sie ihren kompletten Flair verliert, der sie ja tatsächlich unabdingbar ausmacht oder du schmückst das Erlebte bis ins letzte Detail aus. Du erzählst so ausführlich, dass dein Gegenüber das Gefühl hat, er wäre dabei gewesen. Verständlicherweise wird das jedoch die meisten Nicht-reiseaffinen Menschen äußerst schnell in den Wahnsinn treiben. Denn ob das Wasser im Pazifik nun türkisblau oder doch eher kristallklar ist, ist dir erst wichtig, wenn du selber an dem besagten Strand gesessen hast. Ob die Einheimischen dir ein Lächeln schenken oder dich um ein Selfie bitten, ist dir schnuppe, bis du selber in der Situation gewesen bist.

Deshalb habe ich mich inzwischen auf eine andere Möglichkeit beschränkt: Ich fange an, die Menschen zu ermutigen, es mir gleich zu tun. Ich erwecke ihr Reisefieber und bringe sie dazu all die Orte, von denen ich ihnen erzählen könnte, mit eigenen Augen zu sehen. Dann habe ich bald jede Menge Travelbuddys zum Quatschen! Erwähnt man dann ein Land oder eine Stadt oder auch ein kleines Dorf, fangen die Augen an zu leuchten, statt vor Langweile stumpf zu werden!