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Reisen

#57 Die Last der Erinnerung

Man erblickt einen menschenleeren Strand mit türkisblauem Wasser. Oder vor sich erhebt sich gerade die Schwanzflosse aus dem Meer, während die Sonne untergeht. Vielleicht bricht auch gerade am Horizont ein Vulkan auf einer der Hawaiiinseln aus. Was macht dann normalerweise? Ein Foto.

Am Reisen habe ich mich nicht nur in die aufregenden Erlebnisse und neuen Erfahrungen verliebt. Ich habe mich auch in das Festhalten des Erlebten verliebt. Die Fotografie ist mittlerweile meine große Leidenschaft beim Reisen geworden und nicht mehr daraus wegzudenken. Auch wenn es mal der Entspannung guttut, die Kamera ein, zwei Tage liegen zu lassen, fehlt sie mir dann doch sofort, wenn sich das perfekte Motiv vor meinen Augen eröffnet.

Unsere Leidenschaft hat aber auch einen ganz entschieden negativen Effekt auf unser Reisen. Die Kameraausrüstung wird einfach nicht kleiner und übersteigt die eines ambitionierten Hobbyfotografen nun schon deutlich. Zwei Spiegelreflexkameras, ein Stativ, mehrere Objektive und all den Schnickschnack den man sonst noch braucht, um die perfekten Fotos zu schießen, gehen ganz schön ins Geld und auf Reisen auch ins Gewicht. Wie oft haben wir schon darüber philosophiert, ob es nicht doch schlauer wäre auf den mittlerweile ganz schön schnell rollenden Zug der spiegellosen Fotografie aufzuspringen. Bis jetzt haben wir den Schritt aber noch nicht gewagt. Wir wollen wirklich das perfekte aus den Situationen herausholen und vertrauen derzeit noch auf die altbewährte DSLR.

Nicht weil alt immer besser ist, sondern vielmehr deswegen, dass wir beim Umzug auf die Spiegellosen auch über einen eventuell anstehenden Systemwechsel nachdenken. Derzeit sind wir zwar sehr zufrieden mit unserer Nikon-Ausrüstung, aber Nikon hat bis jetzt nur zwei fast identische spiegellose Modelle auf dem Markt, während beispielsweise Sony schon seit viel längerer Zeit Profikameras ohne Spiegel herstellt. Aber bei einem Wechsel können auch böse Überraschungen auf uns warten. Was ist, wenn Sony etwas an ihren Kameras auf eine Art und Weise umsetzt, die wir gar nicht abkönnen? Was ist, wenn wir das erst nach ein paar Monaten feststellen? Vielleicht überzeugen uns die Spiegellosen aber auch überhaupt nicht und wir wünschen unsere alte DSLR zurück?

Die Zeit, sich gerade mit allen Mitbewerbern und Nikons eigener Spiegellosen Reihe auseinanderzusetzen, haben momentan leider weder Julia noch ich. Die letzten Jahre haben der digitalen Fotografie viele Neuerungen beschert. Wie genau wir darauf reagieren werden, wird sich wohl erst in den nächsten Monaten entscheiden. Das geringere Gewicht ist aber auf jeden Fall schon einmal ein großer Pluspunkt für Reisefotografen wie uns.