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Reisen

#154 Eiszeit oder nur Winter in Finnland?

Wenn es im tiefen Winter in den hohen Norden verschlägt, den erwartet meisten eine eisige Kälte. Ob die Winterjacke ausreicht, ist eher zu bezweifeln. Man sollte, wenn vorhanden, gleich an die Skiunterwäsche denken und natürlich auch einen Schal, eine Mütze und ein Paar Handschuhe mit einpacken. Jetzt ratet mal, was ich bei meinem letzten Besuch in Finnland vergessen hatte? Naja, so ziemlich alles von dem, was ich eben aufgezählt habe. Zum Glück war es allerdings schon März und mein Kumpel, der ein ERASMUS Semester in Finnland verbrachte, hatte noch ein paar Sachen für mich über.

Nach meiner Landung in Helsinki erkundigte ich die Hauptstadt Finnlands aber noch in eher dürftig geeigneter Bekleidung. Die sieben Stunden Aufenthalt, bis mein Bus nach Seinäjoki abfuhr, hab ich nur mit zwei Zwischenstopps in zum Glück gut gewärmten Gaststätten überstanden. Die 350 Kilometer im zweistöckigen Bus waren dagegen ein echter Genuss. Ich hatte Glück und ergatterte mir im oberen Geschoss einen Sitz ganz vorne. Für gerade Mal neun Euro Fahrpreise gab es neben der tollen Aussicht auch noch kostenloses WLAN.
In Seinäjoki angekommen, holte mich zu meiner Freude wie vereinbart mein bisweilen etwas verpeilter Freund ab und führte mich ein wenig durch seine sechsmonatige Wahlheimat. Am nächsten Tag ging das Abenteuer aber schon weiter. Mit dem Mietwagen wollten wir in Richtung Polarkreis. Das Fahren auf den finnischen Straßen war dann wirklich ein Erlebnis. Eine gut befahrene Straße hatte auch mal gar keinen Schnee auf der Fahrbahn. Wenn es nur ein bisschen ruhiger wurde, sah man aber schon einen weißen Streifen zwischen den Rädern des einen Kilometer entfernt (vielleicht etwas übertrieben) fahrenden Vordermannes. Sobald die Fahrbahndecke überhaupt nicht mehr sichtbar war, wusste man, dass es sich nur um eine regional genutzte Straße handeln konnte und spätestens dann war ich über die Spikes, die unsere Autoreifen hatten, richtig glücklich.

Noch ein Tipp: Das Navigationsgerät sollte immer auf „schnellster Weg“ und nicht „kürzester Weg“ eingestellt sein. Sonst passiert es nämlich ziemlich schnell, dass die Schneedecke um ein paar oder ganz viele Zentimeter steigt, nur noch ab und an Schneemobilspuren auf der vor einem Monat geräumten Straße zu entdecken sind und man beim nächsten Schneehügel aufsetzt. Nein, uns ist das nicht passiert…
Der Roadtrip ans Tor zu Lappland war auf jeden Fall ein voller Erfolg. Solche Zwischenfälle sind doch so wie das Salz in der Suppe. Ohne wäre es langweilig! Der einzige Mängel? Der Roadtrip war viel zu kurz. Ich muss auf jeden Fall nochmal kommen und dann ist auch Lappland nicht mehr vor mir sicher!