Kategorien
Reisen Reisevielfalt

#53 Die All-Inclusive-Hölle

Für einen Individualreisenden wie mich, der am liebsten das ganz Land erkundet und gerade die bisher unentdeckten Teile am meisten schätzt, erscheint ein zweiwöchiger Aufenthalt an ein und demselben Ort und dann auch noch in einem unpersönlichen Hotel nicht besonders verlockend. Fünf Sterne All-Inclusive? Das sollen doch mal lieber andere machen!

Mit dieser Einstellung bin ich das erste Mal in genau so einen Urlaub gegangen. Ich war zugegeben erst um die 14 Jahre alt. Aber ich war es von den Urlauben mit meiner Familie gewohnt, dass wir während der Ferien nicht an ein und derselben Stelle blieben. Entspannender Hotelurlaub? Fehlanzeige! Wenn man ins Ausland reist, muss man es auch erkunden! Tunesien hatten wir schon in einem früheren Urlaub durchfahren, weswegen beim zweiten Besuch eine Prämiere für den noch sehr jungen Felix anstand: eine Woche Hotelurlaub. Für mich hatten meine Eltern sogar All-Inclusive gebucht, da erstens nur noch ein Zimmer zum normalen Tarif frei war und zweitens dachten sie sich, dass ich das kostenlose Essen im Restaurant und die Poolbar mehr ausnutzen werde als sie selbst.

Ich war ehrlich gesagt positiv überrascht. Das Essen im Restaurant war ausgesprochen gut. Man konnte zu den einzelnen Köchen hingehen und sich verschiedene Gerichte aussuchen, das im Anschluss live vor den eigenen Augen zubereitet wurde. Die Sonnenstunden verbrachte ich mit einer kühlen Cola im großen Hotelpool. Meine Eltern erzählen mir immer, dass ich ganz schön aufgefallen bin, weil ich im Gegensatz zu den meisten anderen Hotelgästen den Pool nicht als Abkühlmittel, sondern zum Bahnen schwimmen nutzte. An das Hotelzimmer erinnere ich mich ehrlich gesagt nicht mehr so richtig. Ich weiß nur noch, dass es groß war und die Dusche super war 😉

Seitdem war ich nur noch ein einziges weiteres Mal in solch einem Hotel und das nur für zwei Nächte auf meiner letzten Kubareise. Dort war ich aber eher enttäuscht, was glaube ich aber auch an der Natur der Kubaner liegt. Ich kann mir auch immer noch nicht so richtig vorstellen, diese Art des Urlaubs in Zukunft öfter zu betreiben. Ja, es ist unglaublich entspannend und man kann mal so richtig die Seele im Hotelpool treiben lassen. Aber wenn ich das Land nicht wenigstens einmal zuvor schon bereist hätte, würde ich wohl permanent daran denken, wie es außerhalb des Hotels zugeht.

Versierte All-Inclusive Nutzer würden vermutlich vorschlagen, einfach ein paar Erkundungstrips ins Umland zu buchen, aber das verstehe ich dann erst recht nicht mehr. Wieso soll ich dann überhaupt noch das teure Zimmer samt des Hotelaufenthalts zahlen, wenn ich dann die ganzen All-Inclusive Leistungen den ganzen Tag über nicht nutzen kann?! Vielleicht gebe ich dieser Reiseart in ein paar Jahren nochmal die Chance, mich zu entspannen, aber meine favorisierte Form von Urlaub wird es wohl niemals werden.